SUPERMARKTZELLEN – EIN MIKROKOSMOS
DES LEBENDIGEN
Die Installation besteht aus im Supermarkt
gesammelten Kartonschalen, die zu einer
zellartigen Struktur verwoben sind. Wie endlose
Zellteilungen spiegeln sie den Kreislauf von
Konsum und Abfall wider.
Im Inneren erscheinen gemalte, verfremdete
Pflanzenzellen – zwischen Vertrautem und
Fremdem, organisch und außerirdisch. Sie
verweisen auf eine fragmentierte Beziehung zu
Nahrung, Körper und Natur.
Die Arbeit macht sichtbar, wie das Lebendige in
der urbanen Welt zur abgepackten Abstraktion
geworden ist – und lädt zugleich zu einer
erneuten Annäherung an das Fremde und Lebendige
ein.
Rewoven
KUNSTPREIS OTTAKRING 2025
«"Demokratie kann sich nicht dadurch verteidigen, dass sie sich selbst aufgibt."
Hauptpreisträgerin
« A VOTÉ! »
Welches Material eignet sich besser als Karton, um über Demokratie zu sprechen? Die Zerbrechlichkeit des Materials verweist auf den vorübergehenden Charakter unserer Systeme, die dem Druck des Populismus und des Konsumwahns ausgesetzt sind und durch den Verlust des sozialen Zusammenhalts geschwächt werden. Welche Perspektiven bieten sich uns, wenn wir zwar das Recht auf Wahl haben (ein Recht, das oft blutig erkämpft wurde) und wir uns doch nicht von einem oft blassen, zumeist oberflächlichen, von Lobbyisten und zukünftigen Wahlterminen getriebenen politischen Personal vertreten fühlen?
Ich gehe wählen. Was kann ich noch von diesem Akt erwarten? Hat die Wahl (noch) einen Sinn? Wir sehen diesen Sinn oft nicht mehr und der Weg in die Wahlkabine wird gemieden. Aber ist es nicht ein Spiel mit dem Feuer, wenn man sich weigert, an der Debatte teilzunehmen und seine Stimme abzugeben? Ist Schweigen ein Neuanfang?
Aber der Karton steht auch für Bewegung, Umzug, Wechsel und die Hoffnung auf Erneuerung durch die Ankunft einer anderen Regierung.
Die Installation bietet fünf Varianten von Karton, wobei der letzte Karton zu einem Dialog mit dem Besucher einlädt. Jeder kann dort Ideen, Vorschläge und Gedanken zum Thema hinterlassen.
KUNSTPREIS OTTAKRING 2024
"Lasst Zwischenräume in eurem Zusammensein"
Annerkennungspreisträgerin
Les Passages/Die Durchgänge, Delphine Léger *1976 in Senlis (Frankreich), lebt in Wien arbeitet in Ottakring, Acrylzeichnungen auf verschiedenen Oberflächen, 2023
Delphine Léger fasst den Begriff des Zwischenraumes gleichfalls als einen Ort und eine Situation der Veränderung und des Überganges auf. Und zwar im wörtlichen Sinn, indem sie sich der illusionistischen Malerei bedient. Diese Errungenschaft stammt aus der Antike und wurde im italienischen Barock zu einer prominenten Erscheinung im klerikalen wie weltlichen Bauen. Einer der Hauptmeister dieser Kunst war Andrea del Pozzo, der an der Wende zum 18. Jh. nach Wien berufen wurde und hier einige seiner wichtigen Malereien geschaffen hat. Delphine Leger greift diese Kunst auf und wendet sie auf partisanische Manier an. Sie kapert vorgefundene architektonische Situationen und versieht Pfeiler, Mauern und Wände mit illusionistischen Durchgängen, Treppen und Leitern. Damit schafft sie neue Wege, im übertragenen Sinn auch neue Wege des Denkens. Indem diese Idee beschritten wird, entstehen Übergänge, welche die Sicht auf das Leben unmerklich verändern. Die rites de passage, Übergangsriten gehören in diesen Zusammenhang, wie sie in den unterschiedlichsten Kulturen existieren. Denken sie bei uns nur an die Firmung, den Schulabschluss und viele andere solche Marksteine der persönlichen Entwicklung. Und mit jeder neuen Wendung eröffnen sich neue Möglichkeiten. (Berthold Ecker - Kurator für Zeitgenössische Kunst Wien Museum)